"Mein Leben begann an einem Ort des Todes"

NS-Zeitzeugin Anica Wurm-Olip zu Gast am IBG

Am Mittwoch, den 21.Jänner 2026, einige Tage vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, hatte das Ingeborg- Bachmann-Gymnasium die große Ehre, im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs mit Lesung für Schüler:innen der Oberstufe (5bi, 7afi,8afi,8br, 8cr) NS-Zeitzeugin Frau Anica Wurm-Olip begrüßen zu dürfen.
Die nunmehr 82-jährige Kärntner Slowenin gilt als einziges überlebendes Kind der NS- Frauen-Strafvollzugsanstalt Aichach in Oberbayern, in welchem sie von ihrer stark unterernährten Mutter Ursula am 14. Juni 1943 geboren wurde. Berührend und unter die Haut gehend waren die Textpassagen, die Frau Wurm-Olip aus ihrem 2019 veröffentlichten Buch „Mein Leben begann an einem Ort des Todes – Rojena na kraju smrti…“ vorlas: Als mit 1,2 kg Geburtsgewicht „als nicht lebensfähig“ bezeichnetes, eigentlich dem Tode geweihtes Baby, wurden an ihr von SS-Medizinern in den ersten Lebenswochen über vierzig medizinische Versuche durchgeführt; eine etwa15 Zentimeter lange Narbe am Oberarm zeugt noch heute von diesen unbeschreiblich bestialischen Grausamkeiten.
Ihrer Tante Paula Siegel gelang es gemeinsam mit der befreundeten Krankenschwester Justine Razer, das kleine Bündel Mensch in einem Pappkarton - mit viel Glück, als wäre das Szenario einem Krimi entsprungen, wie Frau Wurm-Olp selbst meinte - aus der Strafvollzugsanstalt zu schmuggeln und letztlich wieder nach Hause nach Kärnten zu bringen. Mutter Ursula gelang im Mai 1945 in einem unbeobachteten Moment ebenfalls die Flucht aus dem Lager. Das Wiedersehen von Mutter und Tochter Anni, die in Dollich bei Ferlach von ihrer Tante Maria Schaschl aufgezogen worden war, blieb für beide ein unvergesslicher Moment.
Die Schilderungen über die bewegende, später sehr erfolgreiche Lebensgeschichte von Frau Anica Wurm-Olip rief bei den Schüler:innen im darauffolgenden Plenums-Gespräch viele Fragen hervor, etwa: Wie kann man mit solch einer eigentlich unbeschreiblichen Gewalterfahrung, die sich über die ganze Familie erstreckte, überhaupt (weiter-)leben? Was wurde aus den Geschwistern? Warum waren überhaupt auch Kärntner Sloweninnen und Slowenen Zielscheibe von NS-Gewalt?
Abschließend appellierte Frau Wurm-Olip, die Gräueltaten des NS-Regimes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Es sei besonders für junge Menschen wichtig, diese Zeit zu verstehen und die Erinnerung daran zu verarbeiten, um einander menschlich zu begegnen und durch dieses Zeugnis des Erinnerns wachsam und sensibilisiert gegenüber manipulativen, demokratiepolitisch bedenklichen Tendenzen zu sein.
Damit stellt sich Frau Anica Wurm-Olip in die Reihe großer Mahnerinnen, wie die im Mai 2025 verstorbene Holocaust-Zeitzeugin Margot Friedländer oder Ingeborg Bachmann es waren, die zeitlebens unermüdlich für ein friedvolles, menschliches Miteinander und für
ein „Nie wieder“ eintraten. Margot Friedländer meinte: „Was war, können wir nicht mehr ändern. Aber es darf nie wieder geschehen. Seid Menschen!“ „Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler “, beklagte einst Ingeborg Bachmann. Die Geschichte nicht zu wiederholen, im Sinne Bachmanns und Friedländers und auch im Sinne Anica Wurm-Olips, ist mehr denn je das Gebot der heutigen Zeit, wie diese Zeitzeugen-Lesung eindringlich vor Augen führte!
Bis 30.Jänner bestand auch die Möglichkeit, im Festsaal eine Wanderausstellung zum Thema „Die Verfolgung der Kärntner Slowenen während der NS-Zeit“ zu besuchen.
Organisiert wurde diese Veranstaltung mit begleitender Ausstellung von Frau Prof.in Angelika Resztej. Ein herzliches Dankeschön, liebe Frau Professorin, für diesen wertvollen Beitrag an Erinnerungsarbeit und Gedenkkultur an unserer Schule!

Für das IBG-Menschrechts- und UNESCO-Schule-Team
Prof.in Mag.a Andrea Malle-Schuler
(ML- Koordinatorin)

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